Sonntag, 3. März 2013

Ermutigung - Friedrich Blau

Foto: Pixabay

Ermuthigung. 

Dräut auch der Winter noch so sehr,
Raubt uns der Blumen buntes Heer,
Bedeckt mit Eis die Erden:
Im Mutterschooße schlummert lind
Manch' stilles, schönes Blumenkind, —
Es muß ja Frühling werden!

Ist es auch dunkel rings umher,
Strahlt nicht ein Stern am Himmel mehr,
Entschlummert alles Leben:
Bald muß entflieh'n die düstre Nacht,
Bald muß in neuer schöner Pracht
Die Sonne sich erheben.

Und braus't es rings auch um uns her,
Umzieht Gefahr uns groß und schwer:
Die Brust ihr keck entgegen!
Einst sinkt der stolze Feind dahin,
Einst muß die Freiheit doch erblüh'n
Mit ihrem ganzen Segen.

(Friedrich Blau)

Bedeutung für dreut: zumeist poetisch und literarisch "drohen".

Ein kleines Trostgedicht bei dem derzeitig trüben Wetter. Es wird Frühling, bald, ganz bestimmt.

Wozu? - Friedrich Blau

Foto: Pixabay

Wozu? 

Wozu nur auf den Himmel hoffen,
Der unser wird nach frommem Tod?
Ein schönes Leben liegt ja offen,
Ein Leben frisch und rosenroth.

Wozu nur dort erst selig werden,
Mit Engeln leben im Verein?
Du kannst ja hier auf dieser Erden
In deinem Herzen selig sein.

Wozu erst Freiheit dort erringen,
Nach dieses Lebens Sklaverei?
Wag' es nur kühn! Es muß gelingen!
Du wirst auch hier schon froh und frei!
(Friedrich Blau)

Quelle: Lieder und Gedichte zum Gebrauch für Versammlung, Schule und Haus freier Gemeinden, Friedrich Schünemann-Pott, 1833

Ja, wozu? Recht hat er, der Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Die Zeilen sind noch genauso heute zutreffend. Denken Sie doch mal darüber nach!

Das Glück - Hoffmann von Fallersleben

Glückskäfer
Foto: Pixabay

Das Glück. 

O frag' mich nicht: „Was ist denn Glück"?
Sieh vorwärts nicht, noch sieh zurück!
O such' es nicht in weiter Ferne,
Auf diesem oder jenem Sterne!
O such's nicht dort und such's nicht hier:
Es wohnet nur in Dir!

Und wenn Du's da nicht finden magst,
Umsonst ist's, daß du weinst und klagst,
Umsonst dein Sehnen, dein Verlangen,
Umsonst dein Hoffen und dein Bangen!
O frag' mich nicht! Das Glück sind wir,
Das Glück wohnt nur in Dir!
(Hoffmann v. Fallersleben.)

Quelle: Lieder und Gedichte  zum Gebrauch für Versammlung, Schule und Haus freier Gemeinden, Friedrich Schünemann-Pott, 1833

Kennt nicht jeder das Sprichwort: "Jeder ist seines Glückes Schmied?" Das wunderschöne Gedicht von Hoffmann von Fallersleben sagt wohl in Reimen das Gleiche aus.

Wir sollen nicht jammern über den derzeitigen Zustand, nicht bessere Zeiten herbeisehnen, auch nicht die Vergangenheit schön färben. Wir sollten einfach aus der Gegenwart das Beste machen.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Theodor Fontane - Überlass es der Zeit

Schlagfertigkeit gehört zu den Eigenschaften, die man gerne besitzen möchte. Besonders dann, wenn man sich über die Äußerung eines Mitmenschen sehr ärgert. Man möchte sofort "kontern" und demjenigen gehörig des Marsch blasen oder auch mit einer noch passenderen Bösartigkeit den Spieß umdrehen.

Häufig höre ich von Mitmenschen: "Dem hab ich es aber gezeigt". Oder: "Dem hab ich mal so richtig die Meinung gesagt". Was bringt das? Ist der andere deshalb einsichtiger? Gelingt es, dessen Meinung dadurch etwa zu ändern? Ich glaube eher nicht. Vielleicht gelingt es noch mit Argumenten, aber sicher nicht mit besserwisserischer Kritik oder gar einer Zurechtweisung. Halten Sie es lieber wie der Dichter Theodor Fontane, dessen Gedicht viel Weisheit enthält:

Überlass es der Zeit 

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit, 
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter, 
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

(Theodor Fontane, 1819-1898)

Dienstag, 1. Januar 2013

Gedanken für das neue Jahr

Am Ende des Jahres bzw. zum Jahreswechsel machen wir uns Gedanken. Was wird das neue Jahr bringen? Wir hoffen auf ein weiterhin friedliches Miteinander, keinen Krieg im eigenen Land und für die Familie Gesundheit und ein ausreichendes Einkommen.

Das alles ist nicht selbstverständlich. Auch in unserer Wohlstandsgesellschaft gibt es Menschen, denen es schlecht geht, die jeden Tag, jeden Monat kämpfen müssen - ums Überleben. Große Konzerne entscheiden, häufig im Ausland, ob eine Firma weiter geführt wird oder ob "es sich nicht mehr lohnt". Tausende Arbeitsplätze und viele Familien sind betroffen. Laut Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin soll es in diesem Jahr für die Wirtschaft nicht so gut aussehen. Die Krise ist noch nicht überstanden. Viele Länder in der EU kämpfen mit Schulden. Die Bürger dieser Länder haben darunter zu leiden und machen teilweise auch Deutschland für diese Situation verantwortlich. Den Deutschen geht es noch verhältnismäßig gut. Aber wie lange noch? Wird man uns mit weiteren Opfern und Abgaben überfordern? Muss immer der kleine Mann für Veränderungen, wie z. B. den Ausstieg aus der Atomenergie, zahlen? Werden wir überhaupt noch gefragt oder entscheidet eine kleine Gruppe, die weit davon entfernt ist, beurteilen zu können, wie ein einfacher Arbeiter über die Runden kommen kann? Arbeit muss sich wieder lohnen, die Abzüge und Kosten dürfen uns nicht erdrücken. Nur so kann es wieder aufwärts gehen.

Der berühmte Philosoph und Begründer der abendländischen Philosophie Aristoteles sagte bereits:
„Wo kein Eigentum ist, da ist auch keine Freude zum Geben; da kann niemand das Vergnügen haben, seinen Freunden, dem Wanderer, den Leidenden in ihrem Mangel zu helfen."
Aristoteles (384-322 vor Chr.)

Wenn dann noch der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, meint, dass das Gehalt der Kanzlerin nicht ausreichend sei, dann frage ich mich, wie weit unsere Volksvertreter den Bezug zur Realität verloren haben. Man müsste diesen Herrn zwingen, einmal ein Jahr lang mit dem Lohn eines Arbeiters auszukommen, von dem er gewählt werden möchte.

Hoffen wir das Beste für das neue Jahr. Ich wünsche allen Lesern meines Blogs vor allem Gesundheit und alles erdenklich Gute für 2013.