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Samstag, 6. April 2013

Das Alter - Gedicht Hoffmann von Fallersleben

Alter. 

Nein, ich bin nicht mehr derselbe,
Der ich sonst vor Zeiten war:
Matt das Auge, kraus die Stirne,
Schwach der Arm und grau das Haar.

Und mein Sommer ist entflohen,
Meine Saat ist abgemäht.
Nach verlor'nen Freuden jagen,
Ist es wahrlich nun zu spät.

Eines ist mir nur geblieben —
Alten Glücks Erinnerung;
Und zu dulden und zu leiden
Bin und bleib' ich immer jung.

(Hoffmann von Fallersleben)

Neujahrs-Wunsch - Gedicht Hoffmann von Fallersleben

Neujahrs - Wunsch.

Laß werden, Gott, der Sehnsucht Quelle
In mir so lauter und so helle,
Wie Thau an frischen Lilien bebt.
Dann hat Ihr Bild, das Bild der Einen,
Der Wonniglichen, Frommen, Reinen,
In mir Ihr Engelsbild gelebt.



Dann laß, o Gott, die Quelle tönen
Als eine Stimme alles Schönen
Aus meiner Liebe Frühlingswelt!
Bis einst so lauter und so helle,
Bis einst dann meiner Sehnsucht Quelle
Wie eine Thräne niederfällt.

(Hoffmann von Fallersleben)

Lebensphilosophie - Gedicht Hoffmann von Fallersleben

Lebensphilosophie. 

Hoffe nicht! harre nicht!
Frisch die Zeit beim Schopf gefaßt!
Suche nicht was dir gebricht,
Und genieße was du hast!

Muthig nur und geschwind!
Frag nicht wie? und wann? und wo?
Wenn wir heute lustig sind,
Ei, so sind wir morgen froh.

(Hoffmann von Fallersleben)

Sonntag, 10. März 2013

Jugend und Alter - Hoffmann von Fallersleben

Foto: Pixabay

Jugend und Alter. 

Jugend, dich Hab' ich so lieb! 
Alter kommt wie ein Dieb, 
Nimmt den Rosen Farb' und Duft, 
Vögeln ihren Flug in der Luft, 
Bäumen und Reben ihren Saft, 
Und dem Menschen seine Kraft. 

Jugend, dich Hab' ich so gem! 
Alter, bleibe du fern! 
Hauche des Mägdleins Locke nicht an! 
Ei, was hat dir die Wange gethan! 
Kannst du nicht leiden Tanz und Gesang? 
Willst du todten der Stimme Klang? 

Jugend, ich flehe zu dir, 
Werde Zauberin mir! 
Wird der Wangen Röthe nicht jung, 
Kehret nicht wieder der Füße Schwung — 
Rette die Seele vor Alters List, 
Daß ich dich lobe, wie schön du bist!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Lebensfrage - Hoffmann von Fallersleben

Foto Pixabay

Lebensfrage. 

Soll ich müssig sein und klagen, 
Jung noch wie ein Greis verzagen, 
Und das Leben nicht verstehn? 
Soll ich unter Blüthenbäumen 
Von genossnen Früchten träumen, 
An Erinnerung vergehn? 

Ob wir weinen oder lachen, 
Ob wir schlafen oder wachen, 
Freund, die Nacht stellt doch sich ein. 
Alte Freuden zu erneuen, 
Wollen wir uns heute freuen, 
Jeder Tag soll unser sein!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Sonntag, 3. März 2013

Leben und Liebe - Hoffmann von Fallersleben

Foto: Pixabay

Leben und Liebe 

Das Leben ist nur Kampf und Streit: 
Wir müssen leiden, müssen ringen. 
Frisch auf mit Muth und Heiterkeit, 
Und endlich wird es dir gelingen. 
Was heute noch dein Herz entbehret, 
Schon morgen ist es dir gewähret. 

O klage nicht dein Schicksal an: 
Der Liebe galt allein dein Streben. 
Wer noch für Liebe kämpfen kann, 
Dem ist noch reich das arme Leben. 
Und gäb' es gar kein Glück auf Erden, 
So ist's ein Glück, geliebt zu werden. 

(Hoffmann von Fallersleben)

Quelle: Lieder und Gedichte zum Gebrauch für Versammlung, Schule und Haus freier Gemeinden, Friedrich Schünemann-Pott, 1833 

Das Glück - Hoffmann von Fallersleben

Glückskäfer
Foto: Pixabay

Das Glück. 

O frag' mich nicht: „Was ist denn Glück"?
Sieh vorwärts nicht, noch sieh zurück!
O such' es nicht in weiter Ferne,
Auf diesem oder jenem Sterne!
O such's nicht dort und such's nicht hier:
Es wohnet nur in Dir!

Und wenn Du's da nicht finden magst,
Umsonst ist's, daß du weinst und klagst,
Umsonst dein Sehnen, dein Verlangen,
Umsonst dein Hoffen und dein Bangen!
O frag' mich nicht! Das Glück sind wir,
Das Glück wohnt nur in Dir!
(Hoffmann v. Fallersleben.)

Quelle: Lieder und Gedichte  zum Gebrauch für Versammlung, Schule und Haus freier Gemeinden, Friedrich Schünemann-Pott, 1833

Kennt nicht jeder das Sprichwort: "Jeder ist seines Glückes Schmied?" Das wunderschöne Gedicht von Hoffmann von Fallersleben sagt wohl in Reimen das Gleiche aus.

Wir sollen nicht jammern über den derzeitigen Zustand, nicht bessere Zeiten herbeisehnen, auch nicht die Vergangenheit schön färben. Wir sollten einfach aus der Gegenwart das Beste machen.